WOW – Abwasser ist wertvoll

Interreg North-West Europe (2014-2020)

WOW! - Wider business Opportunities for raw materials from Wastewater

Ausgangssituation und Herausforderung für das Projekt

Die im Abwasser enthaltenen organischen Verschmutzungen können als Rohstoff für biobasierte Produkte genutzt werden. In der klassischen Abwasserbehandlung werden diese kohlenstoffhaltigen Stoffe zu einem großen Teil in CO2 umgewandelt und in die Atmosphäre abgegeben, nur ein Teil wird im Biogas inkorporiert und kann somit zur Produktion von Energie genutzt werden. Diese Vorgehensweise führt zu einem Verlust wertvoller Rohstoffe, zusätzlichen Emissionen des Treibhausgases CO2 sowie einem Verbrauch an natürlichen Ressourcen.

Das Interreg North-West Europe Projekt WOW! zielt auf einen Wandel hin zu einem kreislauforientierten Ansatz, bei dem Zellulose, Fette und PHA gezielt aus dem Abwasser zurückgewonnen und als Rohstoffe für die Produktion von Stoffen wie Bio-Aktivkohle (aus Zellulose), Biodiesel (aus den im Abwasser vorhandenen Lipiden) sowie Bioplastik (aus PHA) genutzt werden.

 

Aktivitäten im Rahmen des Projektes

Zur Umsetzung der Ziele von WOW! arbeiten Kläranlagenbetreiber, Forschungseinrichtungen und die Industrie Hand in Hand. Kläranlagen müssen in Zukunft als Produktionsstätten von Rohstoffen und Abwasser als wertvolle Ressource angesehen werden. Hierzu ist neben einem Paradigmenwechsel auch eine Veränderung von geltenden Gesetzen hin zu einem stärker kreislauforientierten Denken erforderlich.

Im Rahmen von WOW! werden daher folgende Aktivitäten umgesetzt:

  • Identifizierung der erfolgversprechendsten Wertschöpfungsketten zur Rückgewinnung von kohlenstoffbasierten Wertstoffen aus Abwasser.

  • Entwicklung und Erprobung eines entscheidungsunterstützenden Systems, welches Betreibern von Kläranlagen in ihrem Wandel zu einem kreislauforientierten Denken und Handeln unterstützt.

  • Aufbau und Betrieb von 3 Pilotanlagen, um die Stoffe Lipide, Zellulose und PHA gezielt aus dem Abwasser zurückzugewinnen.

  • Entwicklung von biobasierten Produkten aus diesen Rohstoffen wie Biodiesel, Biokohle und Bioplastik.

  • Identifizierung rechtlicher Barrieren für den Marktzutritt der rückgewonnenen Rohstoffe und Formulierung von Handlungsplänen; Entwicklung nationaler Aktionspläne sowie einer EU-Roadmap.

Hierzu arbeitet die Universität Luxemburg mit insgesamt 12 Partnern aus Industrie, Forschung und Praxis zusammen. Die Partner kommen dabei aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Groβbritannien und Deutschland. Im Rahmen des Projektes wird sich der Lehrstuhl für „Urban Water Management“ an der Universität Luxemburg auf die gezielte Nutzung von Lipiden aus dem Abwasser zur Biodieselproduktion fokussieren. Hierzu wird ein spezielles in der Kläranlage vorkommendes Bakterium mit Namen M. parvicella, welches Lipide akkumulieren und speichern kann, gezielt selektiert. Es werden spezielle Reaktoren entwickelt, die im Labormaβstab an der Universität Luxemburg und in einem späteren Schritt im Pilotmaβstab in einer Kläranlage in Lothringen erprobt werden.

 

Erwartete Resultate

Die Umsetzung der Pilotanwendungen ergibt schätzungsweise 1.000 t handelsfähige Produkte. Zusätzlich werden Vermittlungsveranstaltungen mit Industrie, Kläranlagenbetreibern sowie der Politik organisiert und 10 Memoranden mit interessierten Firmen angestrebt.

WOW-hdpi

  • Mis à jour le 19-07-2018