EduNet S&W "Education Network Schule und Wirtschaft"

INTERREG Grande Région (2007-2013)

Das Projekt EduNet ist als langfristige Strategie zur Entwicklung einer interregionalen Bildungs- und Ausbildungslandschaft zu verstehen und leistet aufgrund der angestrebten verbesserten Berufsorientierung und des zu entwickelnden Netzwerks einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts Großregion.

Jugendliche darauf vorzubereiten, eigenverantwortlich und verantwortungsbewusst am Wirtschaftsleben in der Großregion teilzunehmen, ist eine wichtige Aufgabe der Schulen in unserer Region. Da es hier auch um praktische Erfahrungen und um Anwendung geht, muss es Ziel sein, Schülerinnen und Schüler auf vielfaltige Art und Weise das Wirtschafts-, Arbeits- und Berufsleben erfahren zu lassen.

EduNet-mdpi

Dauerhafte und nachhaltige Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen diesseits und jenseits der Grenzen sind wesentliches Element der Schulentwicklung und Grundlage für einen erfolgreichen Kompetenzerwerb im o.g. Bereich, wobei Schulen und Betriebe gleichermaßen profitieren. Hierbei ist es selbstverständlich, dass auch die entsprechenden Ämter, Kammern, etc. eingebunden werden. So wird z.B. das ZAWM sowohl das Arbeitsamt der DG als auch den Studienkreis Schule und Wirtschaft laufend über das Projekt informieren und die Kammern im Saarland, in Luxemburg und in Rheinland-Pfalz werden ebenfalls einbezogen. Ziel ist es dabei, neue, grenzüberschreitende Wege der Kooperation zu gehen und dadurch entsprechende Impulse auch über das Projektobjekt hinaus zu geben. Dabei eröffnen sich für die Schule Wege, die Arbeitswelt diesseits und jenseits der Grenzen stärker in den schulischen Alltag zu integrieren und das Wissen der Schüler über wirtschaftliche Zusammenhänge in der Großregion wird gemehrt.

Durch den Aufbau eines Netzwerks Schule-Betrieb soll erstens die grenzüberschreitende Kooperation zwischen diesen Akteuren entwickelt und zweitens die Kooperation der Bildungs-  und Weiterbildungsträger gefördert werden. Durch die Nutzung einer Informationsplattform/Datenbank „Schule und Betrieb in der Großregion“ soll den Menschen auf einfache Weise ermöglicht werden, detaillierte Informationen über Schulen, Betriebe, Partnerschaften zu erhalten. Hier können Interessierte konkrete Beispiele und Anregungen zum Aufbau und zur Weiterentwicklungen von Partnerschaften zwischen Schulen (über die vier beteiligten Schulen hinaus) und Unternehmen erhalten sowie Kontakte suchen oder finden.

Die Inhalte der Partnerschaft können sich dabei sowohl auf den Bereich der gegenseitigen Unterstützung in der Berufswahlvorbereitung als auch auf weitere Bereiche wie gemeinsame Aktivitäten, spezielle Programme etc. beziehen. Neuere Formen des Unterrichts, z.B. durch teilweise Verlagerung in die Betriebe wären möglich und ein Partnerbetrieb erleichtert es der Schule, Fachwissen von außen in den Unterricht einzubeziehen. Lehrer und Lehrerinnen können durch Kontakte mit dem Partnerunternehmen vertiefte Einblicke in unterschiedliche Berufsfelder und die Arbeitswelt erhalten. Schülerinnen und Schüler erhalten einen realistischen Einblick in die Berufswelt und der Alltagsbezug des Unterrichts steigert die Motivation und Leistungsbereitschaft. Sie lernen die Bedeutung bestimmter Kenntnisse und Fähigkeit für das spätere Berufsleben unmittelbar kennen. Dank regelmäßigem und langfristigem Kontakt zu den Partnerbetrieben erhält die Berufswahlorientierung neue Impulse und die Zahl der Schul- bzw. Ausbildungsabbrecher wird verringert. Die Unternehmen können frühzeitig qualifizierten Nachwuchs an ihren eigenen Betrieb heranführen und so den eigenen Standort sichern und verbessern. Sie gewinnen Einblicke in die Realität des schulischen Alltags und die Lebenswelt der Jugendlichen und können Einfluss auf die Ausbildungsqualität künftiger Auszubildender ausüben. Nicht zuletzt wird es ihnen erleichtert qualifizierten Nachwuchs zu finden, wodurch sie dem zu erwartenden Fachkräftemangel vorbeugen können.

Die Aktivitäten, die im Rahmen einer solchen Partnerschaft umgesetzt werden können, reichen von Betriebsbesichtigungen und Betriebspraktika über Vorträge von Betriebsangehörigen, gemeinsamen Projekten, Mitarbeit beim Bewerbertraining und Beratung bei der Strukturierung des Berufswahlprozesses sowie der damit verbundenen Arbeitspläne bis hin zu gemeinsam gestalteten Ausbildungsbörsen und Bildungs- und Ausbildungsmesse der Großregion. So können Unterrichtinhalte durch die Kooperation einen stärkeren Realitäts- und Praxisbezug erhalten und ständig weiterentwickelt werden und der Übergang von Schule zu Beruf wird erleichtert. Einen entscheidenden Beitrag zur Berufsorientierung leistet in diesem Zusammenhang das o.g. Betriebspraktikum, das drei Wochen umfassen sollte, für alle Schülerinnen und Schüler verbindlich ist und zu Beginn der Klassenstufe 9 abgeleistet wird. Da in Luxemburg ein Betriebspraktikum wie in Deutschland unbekannt ist, gilt es durch die Abfassung entsprechender Informationen und Praktikumsvereinbarungen eine positive Grundeinstellung bei allen Beteiligten zu schaffen. Anders als in Deutschland sonst üblich kommt dem grenzüberschreitenden Betriebspraktikum neben den fachlichen Aspekten allerdings eine besondere Bedeutung in Hinblick auf die interkulturellen und die fremdsprachliche Kompetenz zu. Hierauf gilt es die Schülerinnen und Schüler gesondert vorzubereiten, hieraus gilt es für die Schülerinnen und Schüler selbst den größten Gewinn zu erzielen.

Grundlage der Partnerschaft ist dabei eine Kooperationsvereinbarung, die Verantwortliche und Zuständigkeiten ebenso benennt wie konkrete Maßnahmen, Termine und die Möglichkeiten der Weiterentwicklung, dabei kommt den von den Schulen benannten Koordinatorinnen und Koordinatoren eine besondere Rolle zu. Bei allen Vereinbarung, Maßnahmen, etc., ist dabei dafür Sorge zu tragen, dass die geltenden Richtlinien und Verordnungen wie z.B. die Rahmenvereinbarungen zwischen der Landesregierung Rheinland-Pfalz, der Bundesagentur für Wirtschaft und der Wirtschaft über die Zusammenarbeit von Schule, Berufsberatung und Wirtschaft im Bereich der Berufswahlvorbereitung und Studienorientierung in Rheinland-Pfalz beachtet werden.

In diesem Sinne ist das Projekt hoch innovativ, es werden neuartige Ideen sowohl in Bezug auf die Inhalte, als auch im Hinblick auf transnationale Kooperationsformen wie Datenbank und Partnerschaft umgesetzt.

Im Rahmen der Berufswahlvorbereitung sollen die Schülerinnen und Schüler der beteiligten Schulen des Landkreises Trier-Saarburg und des Schengen-Lyzeums nicht nur eine Übersicht über die Berufe und Angebote in der Großregion erhalten, vielmehr soll ihre fremdsprachliche Kompetenz im Sachfeld Beruf nachhaltig gestärkt werden. Sie erlernen neben fachspezifischem Vokabular und Redewendungen auch die Abfassung von Lebenslauf und Bewertungsschreiben in französischer Sprache. Dabei erfahren sie auch interkulturelle Unterschiede in den Formen eines belgischen, deutschen und luxemburgischen formellen Briefes. Daneben gehören Bewerbertrainings, die im Zusammenarbeit mit Experten aus den Unternehmen durchgeführt werden sowie gezielte Elterninformationen ebenso dazu wie BIZ-Besuche  beidseits der Grenzen. Da Berufsorientierung eine Kern- und Querschnittsaufgabe für alle Fächer und Lehrkräfte ist, werden nicht nur die Fächer Deutsch und Französisch tangiert, vielmehr muss fächerübergreifend, im Lernbereich Freie Arbeit und in der Studienzeit diese Aufgabe wahrgenommen werden. Berufsorientierung in diesem Sinne steht für Motivierung und Befähigung zu Selbstständigkeit und Eigenverantwortung, für die Bereitschaft von Jugendlichen, sich mit Berufswahl fragend zu befassen, für die Stärkung der persönlichen und fachlichen Qualitäten, die für die richtige Berufswahl entscheidend sind, für die Vermittlung von entscheidungsrelevanten Kenntnisse über die Arbeit und Berufswelt und nicht zuletzt für die Möglichkeit von flexiblen Reaktionen in Bezug auf den „Wunschberuf“. – Berufsorientierung in diesem Sinne ist also sowohl Prozess als auch Ziel.

Das Schengen-Lyzeum nimmt insofern eine Sonderstellung innerhalb der Schulen der Großregion ein, als dass dort sowohl das saarländische Abitur als auch das luxemburgische Première abgelegt werden können oder der Erwerb des Diplôme de technicien administratif et commercial möglich ist. Der Bildungsgang, der mit letztgenanntem Diplom abschließt, ist entsprechend den luxemburgischen Regularien organisiert und stellt den berufsbildenden Zweig der Schule dar.

Im Rahmen dieses Bildungsgangs wird auch ein 800-stündiges Praktikum von den Schülerinnen und Schülern abgeleistet, das allerdings erst nach Ablauf des Projektes EduNet stattfindet. Allerdings tritt hier auch erstmals eine Situation ein, in der die Schülerinnen und Schüler in Betrieben außerhalb der eigenen Ländergrenzen ein Praktikum ableisten. Dies erfordert eine gezielte Vorbereitung, sowohl der Schüler und Schülerinnen als auch der Betriebe. Dabei sind wesentliche Erleichterungen dadurch zu erwarten, dass die bestehenden Partnerschaftsbetriebe in das Verfahren eingebunden werden können und die Schülerinnen und Schüler schon durch Ableisten des dreiwöchigen Betriebspraktikums in der Jahrgangsstufe 9 Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen erworben haben, auf die aufgebaut werden kann,

Dennoch sind die Schülerinnen und Schüler und die Betriebe, zumindest diejenigen außerhalb Luxemburgs, entsprechend vorzubereiten und die Struktur, die genauen Inhalte sowie die Umsetzung und Durchführung sind zu planen, wenn neue, grenzüberschreitende Aspekte Beachtung finden sollten. Die unmittelbare Umsetzung der Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler soll in der Klasse 10 unter anderem dadurch erfolgen, dass in der Übungsfirma binnendifferenzierter Unterricht in arbeitsteiliger und arbeitsgleicher Form zur Vermittlung dieser spezifischen Inhalte stattfindet. Daneben ist gleichzeitig die Struktur des berufsbildenden Bildungsgangs  am Schengen-Lyzeum Perl auf den Prüfstand zu stellen und zu evaluieren. Vor dem Hintergrund der sich abzeichnende grenzüberschreitenden Erfahrungen im Bereich des Betriebspraktikums ist die Einsetzung einer interministeriellen, grenzüberschreitenden Kommission zur Revision des berufsbildenden Bildungsgangs ins Auge zu fassen.

  • Mis à jour le 14-03-2019